Eine Empfehlung aus deinem eigenen KI-Account beweist wenig
Du fragst ChatGPT, Gemini oder Claude nach einem guten Anbieter. Die Antwort nennt deine eigene Firma.
Das fühlt sich zuerst stark an. Vielleicht machst du einen Screenshot, schickst ihn intern weiter und wertest die Antwort als Beweis, dass dein Unternehmen in der KI-Suche sichtbar ist.
Ich würde daraus noch keine solche Aussage ableiten.
Die Empfehlung kann sinnvoll sein. Deine Firma kann fachlich und inhaltlich sehr gut zur Anfrage passen. Trotzdem zeigt eine einzelne Antwort aus deinem persönlichen Account nicht, ob andere Nutzer dieselbe Empfehlung ebenfalls erhalten.
Der Grund ist einfach: Dein persönlicher Account ist keine neutrale Testumgebung.
ChatGPT, Gemini und Claude kennen möglicherweise deinen Kontext
Wer KI-Systeme regelmässig für die eigene Arbeit nutzt, baut mit der Zeit Kontext auf. Vielleicht hast du dein Unternehmen beschrieben, Website-Texte überarbeitet, Leistungen erklärt, Dokumente hochgeladen oder über deine Zielgruppen gesprochen.
Je nach System, Account, Einstellungen und verwendeter Funktion können weitere Informationen hinzukommen.
ChatGPT kann gespeicherte Erinnerungen, frühere Chats und Custom Instructions für neue Antworten berücksichtigen. Gemini kann Antworten auf Basis früherer Gespräche, verbundener Google Apps und persönlicher Anweisungen anpassen. Claude bietet unter anderem Memory, die Suche in vergangenen Chats, Profilanweisungen und projektspezifischen Kontext. Die genaue Verfügbarkeit dieser Funktionen kann vom Account und vom gewählten Angebot abhängen.
Das ist keine Manipulation. Die Systeme versuchen, eine Antwort zu liefern, die möglichst gut zu dir und deiner bisherigen Nutzung passt.
Im täglichen Einsatz ist das hilfreich. Du musst nicht bei jeder Unterhaltung wieder von vorne beginnen. Für eine GEO Analyse wird dieselbe Personalisierung aber zum Problem.
Du möchtest bei einer solchen Analyse nicht wissen, welche Firma zu deinem bereits bekannten Kontext passt. Du möchtest herausfinden, welche Unternehmen bei einer möglichst neutralen Anfrage tatsächlich als relevante Antwort erscheinen.
Das ist ein grosser Unterschied.
Ein Beispiel aus der Hotellerie
Ein Hotelier nutzt ChatGPT, Gemini oder Claude regelmässig für seinen Betrieb. Er lässt Website-Inhalte überarbeiten, entwickelt neue Angebote, lädt Informationen zu Zimmern und Wellness hoch und bespricht die Positionierung des Restaurants.
Vielleicht arbeitet er sogar in einem Projekt, in dem Dokumente, Anweisungen und frühere Gespräche dauerhaft verfügbar sind.
Später fragt er: «Welches gute Wellnesshotel im Appenzellerland kannst du empfehlen?»
Das KI-System nennt sein Hotel.
Diese Antwort kann fachlich korrekt sein. Vielleicht ist sein Haus tatsächlich eine sehr gute Empfehlung. Trotzdem beweist die Antwort nicht, dass eine unbekannte Person aus Zürich bei derselben Frage ebenfalls dieses Hotel erhalten würde.
Der Hotelier hat nicht neutral geprüft, welche Hotels das System eigenständig findet und empfiehlt. Er hat einen Account gefragt, der seinen Betrieb möglicherweise bereits kennt.
Sein Hotel musste sich in diesem Moment nicht gegen den Markt durchsetzen. Es war bereits Teil des Kontexts.
Der Prompt kann eine Empfehlung regelrecht produzieren
Nicht nur der Account beeinflusst das Resultat. Auch die Formulierung der Frage entscheidet, was überhaupt getestet wird.
Eine offene Anfrage wäre: «Welche Wellnesshotels im Appenzellerland kannst du empfehlen?»
Hier muss das KI-System selbst entscheiden, welche Hotels relevant sein könnten.
Eine gelenkte Anfrage wäre: «Ist das Hotel Alpenblick eine gute Wahl für ein Wellnesswochenende?»
Noch deutlicher wird es bei dieser Formulierung: «Warum ist das Hotel Alpenblick eines der besten Wellnesshotels im Appenzellerland?»
Bei den letzten beiden Fragen wurde das Hotel bereits genannt. ChatGPT, Gemini oder Claude müssen die Marke nicht mehr selbst finden. Das System soll nur noch eine Einordnung oder Begründung formulieren.
Damit wurde nicht getestet, ob die Marke sichtbar ist. Getestet wurde, ob das System etwas über eine bereits vorgegebene Marke sagen kann.
Das ist nicht dasselbe.
Wer so lange am Prompt arbeitet, bis die eigene Firma auftaucht, misst keine KI-Sichtbarkeit. Er produziert die gewünschte Antwort.
Ein Screenshot ist eine Beobachtung, keine Analyse
Ein Screenshot zeigt eine einzelne Antwort in einer einzelnen Situation.
Er zeigt meistens nicht, welche Erinnerungen aktiv waren, was vorher im Chat besprochen wurde, welche persönlichen Anweisungen hinterlegt sind oder welche Dokumente das System kennt. Oft ist auch nicht ersichtlich, ob die Marke im laufenden Gespräch bereits erwähnt wurde.
Der Screenshot beantwortet ebenfalls nicht, ob dieselbe Frage bei einer Wiederholung wieder zum gleichen Resultat führt. Er zeigt nicht, ob andere Nutzer dieselbe Empfehlung erhalten und wie sich ChatGPT, Gemini und Claude bei vergleichbaren Anfragen unterscheiden.
Ohne diesen Kontext ist ein Screenshot kein Beweis für GEO Sichtbarkeit. Er kann ein erster Hinweis sein. Vielleicht zeigt er, dass das System die Firma grundsätzlich kennt und fachlich einordnen kann. Auch das ist interessant.
Aber ein Hinweis ist noch keine belastbare Messung. Eine einzelne KI-Antwort ist ein Datenpunkt. Keine Marktanalyse.
Nicht jede Markennennung ist eine Empfehlung
Bei einer GEO Analyse muss sauber unterschieden werden, wie ein Unternehmen in der Antwort erscheint.
Eine Marke kann aktiv als beste oder passende Lösung empfohlen werden. Sie kann aber auch nur eine von zehn Firmen in einer längeren Liste sein. Das KI-System kann die Website als Quelle verwenden, ohne das Unternehmen im eigentlichen Antworttext hervorzuheben.
Eine Firma kann zudem als Beispiel erwähnt werden, weil sie im Prompt stand oder bereits Teil des persönlichen Kontexts war. Auch eine kritische Nennung ist noch lange keine positive Sichtbarkeit.
Diese Fälle dürfen nicht in einen Topf geworfen werden.
Für eine aussagekräftige Analyse muss klar erfasst werden:
- Wurde die Marke ohne vorherige Nennung gefunden?
- Wurde sie aktiv empfohlen oder nur beiläufig erwähnt?
- An welcher Position erschien sie?
- Wurde die eigene Website als Quelle verwendet?
- Welche Aussagen machte das System über die Firma?
- Welche Wettbewerber wurden ebenfalls genannt?
- Wiederholte sich das Ergebnis bei weiteren Tests?
Erst diese Unterscheidung zeigt, ob eine Marke bei einer bestimmten Suchabsicht wirklich relevant ist.
So sieht eine seriöse GEO Analyse aus. Eine belastbare GEO Analyse beginnt nicht mit einem Screenshot. Sie beginnt mit einer dokumentierten Testmethode.
Die Testumgebung muss kontrolliert werden
Vor dem Test muss klar sein, welche Personalisierungen aktiv sind. Erinnerungen, vergangene Chats, persönliche Anweisungen, Projekte, hochgeladene Dokumente und verbundene Dienste können das Ergebnis beeinflussen.
Im besten Fall werden separate und möglichst neutrale Testprofile verwendet. Mindestens müssen die relevanten Einstellungen kontrolliert und dokumentiert werden.
Wichtig ist auch, dass die eigene Marke vor dem eigentlichen Test nicht erwähnt wird. Sobald sie im Gespräch steht, wurde das Ergebnis bereits beeinflusst.
Die Suchabsicht muss vor dem Prompt definiert sein
Eine gute Analyse prüft nicht nur einen einzelnen Satz. Sie untersucht eine konkrete Suchabsicht mit mehreren natürlich formulierten Anfragen.
Ein potenzieller Hotelgast könnte beispielsweise nach einem Wellnesshotel, einem romantischen Wochenende, einem Hotel mit gutem Restaurant oder einer Unterkunft für eine kurze Auszeit suchen.
Das sind verwandte Themen. Die Erwartungen an die Antwort unterscheiden sich trotzdem.
Die Prompts sollten vor dem Test festgelegt werden. Sie dürfen nicht nachträglich so lange verändert werden, bis das gewünschte Unternehmen erscheint.
Ein Durchlauf reicht nicht
KI-Antworten können sich zwischen mehreren Abfragen unterscheiden. Eine Firma, die einmal genannt wird, kann beim nächsten Durchlauf fehlen oder an einer anderen Position erscheinen.
Deshalb braucht es mehrere Wiederholungen. Nicht nur in einem System, sondern über verschiedene KI-Plattformen hinweg. ChatGPT, Gemini und Claude arbeiten mit unterschiedlichen Modellen, Funktionen, Quellen und Personalisierungsmöglichkeiten. Eine Marke kann in einem System regelmässig sichtbar sein und in einem anderen praktisch nicht vorkommen.
Eine seriöse Analyse macht diese Unterschiede sichtbar, statt aus einer einzelnen positiven Antwort eine allgemeine Aussage abzuleiten.
Der Wettbewerb gehört in die Auswertung
KI-Sichtbarkeit lässt sich nicht isoliert beurteilen.
Wenn die eigene Firma bei drei von zwanzig Tests genannt wird, sagt diese Zahl allein wenig. Entscheidend ist, wie oft direkte Wettbewerber erscheinen, in welchem Zusammenhang sie empfohlen werden und welche Quellen hinter den Antworten stehen.
Vielleicht wird die eigene Marke selten genannt, dafür aber sehr gezielt bei einer relevanten Kaufabsicht. Vielleicht taucht ein Wettbewerber häufiger auf, aber nur in allgemeinen Listen.
Beides muss unterschiedlich bewertet werden.
Die Resultate müssen über längere Zeit beobachtet werden
Eine GEO Analyse ist keine einmalige Rangabfrage. KI-Systeme, Modelle, Suchfunktionen und verfügbare Quellen verändern sich.
Deshalb sollte eine Messung festhalten, wann sie durchgeführt wurde, welches System verwendet wurde, welche Einstellungen aktiv waren, wie der Prompt lautete und welche Quellen in der Antwort erschienen.
Erst wiederkehrende Messungen zeigen, ob sich echte Sichtbarkeit entwickelt oder ob eine Marke nur zufällig in einzelnen Antworten auftaucht.
Temporäre und private Chats helfen, lösen aber nicht alles
Temporäre oder private Chatmodi schaffen eine bessere Ausgangslage. Sie sind aber kein Ersatz für eine vollständige Testmethode.
Bei ChatGPT greift ein Temporary Chat nicht auf gespeicherte Erinnerungen zu. Aktivierte Custom Instructions werden laut OpenAI trotzdem weiterhin berücksichtigt. Gemini bietet ebenfalls temporäre Chats, um zu verhindern, dass Gesprächsinhalte für die Personalisierung gespeichert und später verwendet werden. Claude nutzt in Incognito Chats keine bestehende Memory. Profilinformationen, persönliche Präferenzen und Styles können dort jedoch weiterhin verfügbar sein.
Ein leeres Chatfenster bedeutet also nicht automatisch, dass sämtliche Einflüsse entfernt wurden.
Auch der aktuelle Prompt, der bisherige Verlauf innerhalb dieses Chats, Sprache, Standortbezug und die genaue Aufgabenstellung prägen die Antwort.
Ein temporärer Chat ist ein sinnvoller Baustein. Eine vollständige GEO Analyse ist er nicht.
Was Unternehmen aus einer KI-Empfehlung ableiten können
Eine Nennung durch ChatGPT, Gemini oder Claude ist nicht wertlos. Sie muss nur richtig eingeordnet werden.
Wenn eine KI deine Firma kennt, Leistungen korrekt beschreibt und relevante Inhalte von deiner Website verwendet, kann das ein positives Signal sein. Es zeigt möglicherweise, dass deine digitale Präsenz verständliche Informationen liefert.
Die entscheidende Frage lautet aber nicht: «Kann ich meine Firma irgendwie in einer KI-Antwort sichtbar machen?»
Die bessere Frage lautet: «Wird meine Firma bei relevanten und neutral formulierten Anfragen wiederholt als passende Antwort erkannt?»
Darauf sollte eine GEO Analyse eine Antwort geben.
Nicht auf die Frage, ob ein einzelner Screenshot gut aussieht.
Mein Fazit
Viele Analysen zur KI-Sichtbarkeit sind aktuell zu oberflächlich.
Ein Prompt, eine Antwort und ein Screenshot sagen wenig über die tatsächliche Position einer Marke bei ChatGPT, Gemini oder Claude aus. Besonders schwach wird die Aussage, wenn der Test im eigenen Account stattfindet und das System die Firma bereits aus früheren Gesprächen, gespeicherten Informationen oder hochgeladenen Dokumenten kennt.
Wer die eigene Firma in den Prompt schreibt, testet ebenfalls keine Sichtbarkeit. Er testet nur, wie das KI-System eine vorgegebene Marke beschreibt.
Eine seriöse GEO Analyse braucht neutrale Bedingungen, fest definierte Suchabsichten, mehrere Prompts, Wiederholungen, unterschiedliche KI-Systeme und einen klaren Vergleich mit relevanten Wettbewerbern.
Alles andere ist eine Momentaufnahme.
Bei AD Promotion arbeiten wir aktuell an einer systematischeren Lösung für solche Analysen. Nicht um GEO künstlich kompliziert zu machen. Sondern um Resultate zu erhalten, die tatsächlich etwas über die Sichtbarkeit eines Unternehmens aussagen.
Redaktionelle Grundlage: Schreibstil, Zielgruppe, Ausgabeformat und Aufgabenbriefing.





